07.12.2015, 19:55 — Kategorie: Spielberichte

Acht bunte Kugeln im Stiefel

Am Nikolaustag beschenken sich Südwest-Fußballerinnen und ihre Gegnerinnen mit einem Torfestival


Zum Abschluss der Hinrunde schlugen die Damen von DJK Südwest Köln den SV Weiden am Sonntagabend mit 5:3 (3:1). Beide Mannschaften agierten weitgehend ohne taktische Zwänge, so dass sich die Zuschauer über eine unterhaltsame Partie mit vielen Strafraumszenen freuen durften. Die Gäste, die nur phasenweise Vorteile hatten, konnten wenigstens mit ihrer Torausbeute zufrieden sein. Sie erwiesen sich trotz der Niederlage als das effektivere Team. Die junge DJK-Elf steht jetzt als Aufsteiger mit drei Punkten Vorsprung an der Tabellenspitze, was nach den bisherigen Leistungen niemanden mehr in der Liga überraschen dürfte. Das nächste Meisterschaftsspiel findet nach der Winterpause am 28. Februar 2016 statt. Gegner auf der DJK-Sportanlage wird der SC Widdig sein.

 

Amateure tun oft merkwürdige Dinge, Fußballamateure sowieso. Beispielweise versuchen sie, das Gedicht in der modernen Trainingslehre zu etablieren. Wie bei der Nikolausfeier des niederbayerischen TSV Klingenbrunn: „Draus vom Walde komm ich her/ ich muss euch sagen es weihnachtet sehr/ Der Fußballgott schickt mich zu euch/ er meint bei euch lief es wie die Seuch“. Verglichen mit dieser Generalabrechnung wirkt die Kritik an der E-Jugend des oberbayerischen FC Böhmfeld recht sachlich: „Übrigens, euer Torverhältnis hab ich mir angeschaut/ das hat mich nicht gerade umgehaut.“ Wie das Torkonto verbessert werden soll, lässt der Nikolaus offen. Auch beim benachbarten TSV Kösching verpackt man die zentralen Botschaften in stolpernde Reime. So lobt der Nikolaus die hiesigen F2-Junioren: „Wenn man auf die Vorrunde zurück blickt/ habt ihr allen gezeigt, wie toll ihr kickt/ Und deshalb rückt der Nikolaus/ jetzt auch seine Geschenke raus“. - Tja, das Reimen allein ist noch keine Kunst. Aber wenn es der guten Sache dient …

 

Zu den Südwest-Mädchen kam der Nikolaus am Sonntag nicht. Trainer Udo Kneip hatte sich noch nicht einmal die Mühe gemacht, den Traditionsjob vertretungsweise zu übernehmen. Immerhin hatte er für jede Spielerin einen Schoko-Nikolaus in die Kabine gebracht. Vielleicht, um etwas Adventsstimmung zu verbreiten, vielleicht auch, um den Abschluss der für seine Mädchen so erfolgreichen Hinrunde mit einem Symbol zu feiern. Nichts anderes als drei Punkte erwartete er jetzt von seiner Mannschaft, die in den vergangenen vier Monaten fast jede sportliche Aufgabe überzeugend lösen konnte. Der Gegner aus dem Kölner Westen schien nach der Papierform schlagbar. Außer einem klaren Sieg gegen Oberdrees und einem schwer einzuschätzenden Remis gegen die zweite Garnitur von Fortuna Köln setzte er bislang keine Ausrufezeichen. Die Weidener, die ihre dritte Saison in der Bezirksliga machen, wollten die Begegnung mangels Personals ursprünglich um zehn Tage verlegen, reisten dann aber überraschend mit einem komfortablen 14er-Kader an.

 

Wie eine Woche zuvor in Berzdorf war Jana Viertel zunächst die auffälligste Akteurin. Gleich ihre erste gute Szene nutzte sie zur Führung. Gegen mehrere Gegnerinnen hatte sie sich im linken Halbfeld durchgesetzt und trocken in die linke Ecke geschoben (5. Minute). Kurz darauf erhöhte sie nach Zuspiel von Marilen Kosche mit einem Lupfer über die SV-Torfrau auf 2:0 (12.). Für nicht wenige Mannschaften wäre dieser frühe Rückstand ein Signal gewesen, um die Defensive zu verstärken und die Räume eng zu machen. Doch die Weidener hielten unbeirrt fest an ihrer extrem hoch stehenden Abwehrkette und suchten selbst die Offensive. Für diesen Mut wurden sie schnell belohnt, denn Jana Peckedrath nutzte einen Stellungsfehler und erzielte ganz cool den Anschlusstreffer (15.).

 

Geschickt störten die Weidener mit ihrer Abseitsfalle die Südwest-Angriffe, doch im fünften, sechsten Versuch kam Rike Greis rechts durch und stellte mit einem Schuss in die lange Ecke den Zwei-Tore-Abstand wieder her (22.). Die Gäste gaben sich nicht auf und hatten jetzt sogar ihre besten zehn Minuten der ersten Hälfte. Die quirlige Jana Peckedrath brachte die Südwest-Abwehr unterstützt von Alexandra Willenberg und Michelle Ambros mehrfach in Bedrängnis (22., 23., 25.), doch ein Treffer wollte nicht fallen. Anschließend übernahmen die Gastgeber wieder die Kontrolle im Mittelfeld und erspielten sich einige hochkarätige Chancen (30., 36., 37., 44.). Vor allem die gute SV-Keeperin Dana Persch zeichnete sich nun aus und rettete ihr Team in die Pause.

 

Die erste Möglichkeit der zweiten Halbzeit hatte Nadine Krings, doch Südwest-Torfrau Ines Loll parierte sicher (46.). Postwendend antworteten die DJK-Mädchen mit einem Doppelschlag von Jana und Rike (48., 50.). Die Sache war entschieden und Trainer Kneip konnte auf einigen Positionen umstellen. Seine Elf kam nun mit Zara Mansius auch über die rechte Angriffsseite. Aber während sich Südwest berauscht von dem klaren Vorsprung weiter nach vorne orientierte, fielen hinten die Gegentore. So flog Ines nach einer Ecke vorbei am Ball, der dann auf den Oberschenkel von Jana Peckedrath fiel und … ins Netz kullerte (60.). Als die SV-Stürmerin einen Fehlpass der aufgerückten DJK-Abwehr nutzte und ihren dritten Treffer erzielte (73.), zwangen die Südwest-Mädchen sich noch einmal zu höherer Konzentration. Die Gäste fühlten jetzt das „Momentum“ und drückten auf ein viertes Tor. Aber mehr als zwei harmlose Schüsse sprangen für sie in den letzten zehn Minuten nicht heraus. Bei den Gastgebern mochte sich über den Erfolg niemand richtig freuen, da Zara kurz vor Schluss nach einem Foul mit einer Knieverletzung ausscheiden musste.


0