10.10.2017, 10:20 — Kategorie: Verein, Spielberichte

Unglaubliches Comeback

Fußballdamen holen gegen starke Eiflerinnen 20 Minuten vor Schluss noch drei Tore auf


Auf einen Heimsieg muss die DJK-Elf weiter warten. Doch wie die Partie am Sonntagnachmittag bewies, kann auch ein Unentschieden einige Glücksgefühle freimachen. Die SG Erfthöhen verlangte den Rot-Schwarzen beim spektakulären 5:5 (2:3) alles ab. Es waren drei Treffer innerhalb von acht Minuten, zwei davon per Elfmeter, mit denen sie die drohende Niederlage gegen einen starken Gegner abwendeten. Das nächste Meisterschaftsspiel findet am kommenden Sonntag (15.00 Uhr) in Jülich-Stetternich statt.

Schlüsselszenen kommen häufig verschlüsselt daher. Erst im Rückblick erschließt sich ihre Bedeutung, erst wenn die Folgen deutlich werden. Erfthöhens Ingo Fink tat, was Trainer eben tun, wenn bei fortgeschrittener Spieldauer ein Drei-Tore-Vorsprung zu verwalten ist. Er nahm seine Rechtsverteidigerin Julia Wassong in der 68. Minute vom Platz, um jemandem von der Bank etwas Spielpraxis zu geben. Ein Wechsel, der normalerweise nicht der Rede wert sein sollte. Denn zum Verteidigen bedarf es eigentlich keiner Fußballkunst. Doch am Sonntagnachmittag im Kölner Grüngürtel geschah Ungewöhnliches. Südwest-Offensivtalent Charlotte Patzer hatte einen schweren Stand gehabt gegen ihre Bewacherin. Diese stand ihr auf den Füßen, verfolgte sie bei jeder Bewegung und nahm ihr fast die Lust. So lief nicht viel über den linken Flügel der Rot-Schwarzen und da auch von rechts kaum Impulse kamen, blieb die DJK-Elf mit ihren Vorstößen durchschaubar. Doch nach dieser Auswechslung der Gäste sollte sich das ändern: Die Stabilität der SG-Abwehr war plötzlich dahin, so dass der Weg frei war für ein nicht mehr vorstellbares Comeback der DJK-Elf.

Gleich nach Spielbeginn war klar, dass es eine Auseinandersetzung auf Augenhöhe werden würde. Beide Teams zeigten gute Ansätze, kamen gegen den kompakt verschiebenden Gegner aber nicht durch. Torszenen entwickelten sich außer einer von Ai Yoshiizumi auf die eigene Latte verlängerten Ecke (13. Minute) nicht. Auffällig war vor allem die schnelle Eiflerin Dana Sieger, die auf dem rechten Flügel einige Freiheiten genoss. Sie war es auch, die im Gerangel aus zehn Meter den langen Pfosten traf, so dass Kollegin Jessica Schwarz nur einschieben musste (21.). Südwest antwortete prompt: Kristin Schröer flankte von rechts auf Charlotte, die nach perfekter Annahme über die Torfrau hinweg einnetzte (23.). Es ging jetzt Schlag auf Schlag. Einen Freistoß von Julia Poth ließ Südwest-Keeperin Leonie Gawellek nach vorne abprallen, so dass Julia Kirch zum 1:2 abstauben konnte (27.). Dass es nicht der Tag der Torhüterinnen werden würde, zeigte sich auch auf der anderen Seite. Leonie Schuh schickte einen Freistoß aus 16 Metern auf das SG-Gehäuse, wo Sarah Hönig danebengriff und das 2:2 zuließ (29.).

Es folgen ganz starke 15 Minuten der Gäste. Die letztjährigen A-Juniorinnen Jana Vitten, Jessica Schwarz und Dana Sieger störten mit enormer Laufarbeit den Südwest-Aufbau, um nach Balleroberung mit Tempo in die Spitze zu marschieren. Zählbares sprang jedoch nicht für sie heraus. Erst in der Schlussminute verwandelte Jana Vitten einen Eckball mit dem Kopf, so dass die Gäste mit einer Führung in die Kabine gingen (45.). Auch in die zweite Hälfte fanden sie besser hinein. Eine Flanke von Annika Lingscheid konnte Leonie Gawellek nur mit den Fingerspitzen berühren, so dass die hinter ihr lauernde Mittelstürmerin Vitten keine Mühe hatte, ihren zweiten Treffer zu erzielen (50.). Die Kölner waren nun klar unterlegen. Das eigene Mittelfeld wirkte pomadig und verlor viele Bälle. Es war Antonia Bexen, die in Sprintduellen mehrfach für die Fehler ihrer Vorderleute klären musste. Fast leichtfertig wurden einige Ecken in Kauf genommen, bei denen Erfthöhen stets gefährlich war. Unter Druck häuften sich bei Südwest die Fehler. Und als Helena Hort in der Rückwärtsbewegung eine Flanke abfangen wollte, trudelte der Ball von ihrem Spann ins Netz (62.). Es stand 2:5 und alles schien gelaufen. Dass Südwest-Spitze Jana Viertel kurz darauf eine Vorlage von Kristin verpasste (65.) und die eingewechselte Lena Mai eine Freistoßchance vergab (70.), passte irgendwie ins Bild.

Es war nicht nur der taktische Vorteil wegen der geschilderten Auswechslung, der die Gastgeber plötzlich wiederbelebte. Jule Schillings war ins Mittelfeld vorgezogen worden, wo sie zusammen mit der frischen Zara Mansius für Dynamik sorgte. Die Rot-Schwarzen gaben sich nicht auf und der Druck auf die SG-Defensive nahm zu. Die Erfthöhener hatten ihre rechten Abwehrseite zu stopfen und zogen sich in den eigenen Strafraum zurück. Verzweifelt suchten die Rot-Schwarzen jede Schussmöglichkeit. Und als die Eiflerin Isabelle Strunk mit der Hand abwehrte, verwandelte Ai den fälligen Strafstoß sicher zum Anschlusstreffer (73.). Drei Minuten später die gleiche Situation: Wieder ein Schuss aus dem Rückraum, den Isabelle Strunk fünf Meter vor dem Kasten mit beiden Armen abblockte. Bedanken konnte sie sich beim Schiedsrichter, der erst für diese Aktion die gelbe Karte zeigte. Auch der zweite Elfer wurde genutzt - dieses Mal von Charlotte (76.). Nun war das Momentum auf Seiten der Rot-Schwarzen. Das Gästeteam, das zuvor so souverän agiert hatte, zerfiel nun in mehrere Teile. Charli ließ auf links ihre Bewacherin stehen, legte von der Grundlinie scharf nach innen, wo Kristin am zweiten Pfosten zum umjubelten Ausgleich traf (81.). Nun waren die DJK-Mädels sogar auf Sieg aus, doch ihre Kräfte reichten nicht mehr, um den Gegner in dessen Hälfte zu binden.

Unsere Südwest-Elf: Leonie Gawellek - Sarah Demond, Jule Schillings, Antonia Bexen, Helena Hort (84. Marie Lansing) - Kristin Schröer, Ai Yoshiizumi, Leonie Schuh, Marie Schottel (60. Zara Mansius), Charlotte Patzner - Jana Viertel (68. Lena Mai).


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