12.06.2017, 10:40 — Kategorie: Spielberichte

Elf Engel für Udo

Fußballerinnen bescheren Trainer mit Erfolg in Kornelimünster schönen Abschied


Im Saisonfinale zeigten die Südwest-Damen einmal mehr, dass sie an guten Tagen auch mit gestandenen Landesligisten fertig werden. Beim 2:1 (0:0) bei Eintracht Kornelimünster beherrschten sie den Gegner in der ersten Halbzeit nach Belieben, kamen jedoch nicht zu Treffern. Das änderte sich nach der Pause, als die Aachener ihnen mehr Raum für Konter gaben. Die DJK-Elf hat damit den sechsten Tabellenrang erreicht und darf sich als bester Aufsteiger bezeichnen, was angesichts der Personalprobleme nicht zu erwarten war. Die gute Spätform von Südwest drückt auch das "Power Ranking" (fupa.net) aus, das das aktuelle Leistungsvermögen aller Mannschaften über einen Koeffizienten misst: In dieser Wertung liegt das junge Team am Ende sogar auf dem dritten Platz.

"Es war mir eine Ehre, Euch bis zu sechs Jahre lang trainieren zu dürfen," verkündete der scheidende Coach Udo Kneip nach Rückkehr aus Kornelimünster auf dem DJK-Sportplatz. Nicht nur, weil der von ihm vor seinem allerletzten Spiel in der Kabine eingeforderte Sieg ("Bereitet mir bitte einen guten Abschied!") auch geliefert wurde. Vom großen Potential seiner Fußballerinnen ganz abgesehen sei bemerkenswert, wie die Mannschaft während der vergangenen Jahre immer wieder neue Spielerinnen integriert habe. Die Gruppe sei offen, tolerant und neugierig, was es den Neuen leicht mache, sich zurechtzufinden. Persönlich werde er noch eine Weile brauchen, um zu begreifen, was ihm demnächst fehlen werde. Doch nach so vielen Jahren sei ein Trainerwechsel einfach fällig gewesen, um andere sportliche Impulse zu setzen.

Bei hochsommerlichen Temperaturen ließen die Rot-Schwarzen von Beginn an keinen Zweifel, dass sie nicht zum Kulturaustausch in den schönen mittelalterliche Ort im Aachener Südosten gekommen waren. Tatsächlich konnten sie in Bestbesetzung antreten, wenn man die Weltreisenden einmal ausklammert. Bereits nach vier Minuten wurde Mareike Schröer in die Spitze geschickt, doch Torfrau Fauza El Kassehe wehrte mit starkem Reflex ab. Südwest organisierte Angriff auf Angriff und ließ die Gastgeber nur selten aus der eigenen Hälfte kommen. Die Eintracht-Verteidigung kam mächtig unter Druck und niemand hätte sich gewundert, wenn Kira Pipoh für ihr verzweifeltes Festhalten von Mareike gelb gesehen hätte (23.). Wenig später legte Jana Viertel von links für Paulina Verspohl auf, die allerdings aus acht Metern weit übers Gehäuse zielte (26). Aufgrund mehrerer Unterbrechungen war der Spielfluss anschließend erst einmal dahin.

Erst in der Schlussphase der ersten 45 Minuten kam Kornelimünster zu zwei, drei Angriffszügen. In der besten Szene konnte Sarah Schneider ihrer Bewacherin Ai Yoshiimzumi entwischen, doch Ines Loll fuhr blitzschnell ihr linkes Bein aus (41.). Eine Führung der Gastgeber hätte den Spielverlauf zu diesem Zeitpunkt auf den Kopf gestellt. Schon das Unentschieden war schmeichelhaft, denn die Aachener hatten kaum etwas für das eigene Spiel getan. Südwest musste sich vorwerfen lassen, die starke eigene Phase nicht für Treffer genutzt zu haben. Denn zu Beginn der zweiten Hälfte trafen sie auf größeren Widerstand. Kornelimünster attackierte nun früher und zwang die Kölner zu Fehlern. Entgegen der Vorgabe ihres Trainers provozierten die Gäste nun leichtfertig Ecken und Freistöße, die die Defensive um die früh verwarnte Cara Hegeler (46.) zu verunsichern schienen. Einen Schuss von Nina Hülsen aus dem Rückraum wehrte Ines ab (48.).

Nach einer Viertelstunde hatten sich die DJK-Mädchen auf den offensiveren Gegner eingestellt und sorgten wieder selbst für Gefahr. Einen Freistoß von Ai aus dem Rückraum nahm Jana auf dem linken Flügel auf, doch ihr Schuss strich einen Meter an der langen Torecke vorbei (59.). Kurz darauf passte Charlotte Patzner von der Grundlinie an die Fünfergrenze, von wo Mareike gegen die Laufrichtung der eingewechselten Keeperin Janin Schneider zur Führung traf (62.). Fünf Minuten später marschierte Pauli auf rechts und bediente die frei an der Strafraumgrenze lauernde Mareike, die schnörkellos zum 0:2 traf. Udo Kneip wechselte nun auf drei Positionen, um die Führung mit frischen Kräften abzusichern. Die Aachener kamen noch einmal auf, doch mehr als der Anschlusstreffer von Nina Hülsen nach Vorarbeit der aus ihrem Team herausragenden Sarah Schneider gelang nicht (78.)

Die DJK-Elf kletterte damit auf den sechsten Tabellenplatz und ist der erfolgreichste von fünf Aufsteigern. Das war keinesfalls zu erwarten, denn der  Kader war durch Auslandsaufenthalte, Prüfungen und Ausbildungstermine zwischenzeitlich stark dezimiert. Über Wochen stellte sich die Mannschaft praktisch selbst auf, weil personelle Alternativen fehlten. Und das Heimspiel gegen den Stadtrivalen SC West musste sogar abgeschenkt werden. Es war also kein Zufall, dass die Leistungen stark schwankten, etwa zwischen dem pomadigen Rückrundenauftakt gegen SG Erfthöhen (März) und dem rassigen 2:1-Sieg gegen TV Konzen (November). Wenn es bei Südwest eine echte Schwäche gab, dann die Effizienz: Nur vier Konkurrenten erzielten weniger als die eigenen 40 Treffer, wovon wiederum fast die Hälfte in nur zwei Begegnungen fiel. In den anderen 20 Partien trafen die DJK-Damen also durchschnittlich nur ein einziges Mal ins Netz. So hat das Landesliga-Debut die talentierte Mannschaft erstmals richtig gefordert. Doch verstecken muss sie sich auf diesem Niveau vor keinem Gegner.

Unsere Elf: Ines Loll - Antonia Bexen (68. Isabel Ludwig), Cara Hegeler, Jule Schillings, Helena Hort- Paulina Verspohl, Jule Schillings, Marilen Kosche, Charlotte Patzner (69. Kristin Schröer) - Mareike Schröer, Jana Viertel (68. Zara Mansius).


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