< Eine Vertreterin der leisen Art
30.10.2016, 13:00 — Kategorie: Verein, Spielberichte, Judo, Basketball, Leichtathletik, Kindersport, Gymnastik, Gesundheit

Trainer, Kumpel, Antreiber, Stütze

Viele Glückwünsche für Ehrenmitglied Karlheinz Alger bei Sportplatzeröffnung


Algi begrüßt den Kunstrasen

Algi, wie er sich nicht nur von Kindern nennen lässt, kam über den Freund seines Sohnes zur DJK Südwest Köln. Ob er nicht Trainer werden wolle, mit den amtierenden Trainern sei die Mannschaft nicht zufrieden. Der frühere Jugendspieler des 1. FC Köln überlegte nur kurz und bot seine Hilfe als Co-Trainer an. Woche für Woche zogen sich die eigentlichen Übungsleiter mehr aus der Arbeit zurück. Nur bei den Spielen hatte Algi nichts zu sagen. Nach der Saison 1984/85 trat Algi daher an den damaligen Geschäftsführer Hermann-Josef Brüne heran, um eigenverantwortlich eine Mannschaft führen zu dürfen. Er übernahm eine F-Jugend, die er dann bis zu den A-Junioren führte und sogar für weitere drei Jahre als Herrenteam begleitete. Eine Erfolgsgeschichte, auch weil er sich stets als Kumpel seiner Spieler verstand, der u.a. Wochenendfahrten zur Burg Neuerburg organisierte. Nach zwei Jahrzehnten wollte er sich Ende 2003 aus der Trainerarbeit zurückziehen, zumal am 1. Januar 2004 der wohlverdiente berufliche Ruhestand lockte. Doch es kam anders.

Nach dem WM-Titel der deutschen Frauen 2003 wollte der Vereinsvorsitzende Karl Heinz Paulus die allgemeine Begeisterung nutzen und den Mädchenfußball einführen. Algi sah eine neue Herausforderung und trat vom Rücktritt zurück. Aus einer Turngruppe für Mädchen, die plötzlich ohne Halle war, entwickelte sich eine erste Fußballgruppe. Da deren Ausbau - vor allem bei den höheren Altersstufen - nur schleppend voranging, klapperte Algi die umliegenden Schulen ab, um für das Südwest-Projekt zu werben. Eine Sportlehrerin des HvB-Gymnasiums bot ihm dann an, an einem Montag mit interessierten Mädchen der fünften und sechsten Klasse auf dem Schulsportplatz zu kicken. Es erschienen 35 Kinder, deren Zahl jedoch Woche für Woche zurückging. Erst als zu seiner Übungsstunde überraschend zehn Mädels des Schiller-Gmnasiums erschienen, wo Algi sein Projekt ebenfalls vorgestellt hatte, war die kritische Größe erreicht. Im Winter 2004 wechselte Algi deshalb zum Training auf den DJK-Platz. Einige Monate später, am 24. Juni 2005, fand das erste richtige Spiel gegen den SV Hitdorf statt, das 2:1 gewonnen wurde: Die Geburtsstunde des Frauenfußballs von DJK Südwest Köln! In der Folgesaison 2005/06 wurden die Mädchen als C-Juniorinnen zum Wettkampf angemeldet. Es handelte sich um den Kern jenes Teams, das Algi über fünf Jahre bis hoch zu den Seniorinnen führen und ausbilden sollte.

Algi hielt den Kontakt zu den Schulen und richtete 2005 im HvB-Gymnasium eine Mädchenfußball-AG ein, die er sieben Jahre lang betreute. Zahlreiche Teilnehmerinnen sind so bei DJK Südwest gelandet. In der Saison 2009/10 gründete er auf Anregung des damaligen Jugendleiters Andreas Lang die "Talentgruppe" für ganz junge Mädchen. Vorbild war der bestehende Fußball-Kindergarten der Jungen, doch die Nachfrage blieb zunächst gering. Erst als man die Bezeichnung in "Einsteigerinnengruppe" änderte, kamen viele Anfragen. Mit hohem Einsatz betreut Algi seitdem ständig etwa 30 fußballbegeisterte Mädchen, die mit viel Spaß auf spätere Wettkämpfe vorbereitet werden. Seit Jahren besteht wegen der großen Beliebtheit eine lange Warteliste. Und jeden Sommer gibt Algi etwa die Hälfte der Gruppe in die passenden Altersklassen ab, darunter Jahr für Jahr ein neues Team von E-Juniorinnen.

Algis Engagement beschränkte sich nie auf seine Mannschaften. Leidenschaftlich verfolgt er noch heute zahlreiche Spiele als eine Art „Trainer-Berater“. Er hat für den guten Zweck zehntausende Grillwürste gebraten, hat tausende Fußbälle verwaltet, als gelernter Versicherungsangestellter die Vereinsfinanzen geprüft und sich nebenbei um das Erscheinungsbild der Sportanlage gekümmert. Algi, der dem Verein sein Honorar zu spenden pflegt, hat aus eigenen Mitteln Blumenkästen bestückt, eine bunte Wiese angelegt und viele Bäume an der Grundstückgrenze gesetzt. Es ist kein Zufall, dass die Grabungen im Zuge der aktuellen Umbaumaßnahmen auch „seine“ Pflanzen treffen.

Der 75-jährige ist Vereinsmitglied seit Juni 1984. Am 8. Oktober 2010 wurde er vom DFB als verdienter Ehrenamtler im sog. "Club 100" aufgenommen. Begründet wurde die Ehrung mit seinem Mädchen-Projekt, das dem Verein mittlerweile die größte Mädchen-/Damenabteilung im Kreis Köln beschert hat. Die Ernennung zum Ehrenmitglied durch die Generalversammlung am 30. September 2016 ist Ausdruck der großen Anerkennung für seine über mehr als drei Jahrzehnte erbrachte wertvolle Tätigkeit für DJK Südwest Köln.


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