09.04.2020, 11:03 — Kategorie: Verein

Aaaah, jetzt sind wir alle da - oder?

Meine erste Südwest-Vorstandssitzung per Videokonferenz


Was kann jetzt noch schiefgehen? Es ist 18.54 Uhr am Mittwochabend, das Laptop hochgefahren, das WLAN-Signal ganz gut. Recht gehetzt bin ich aus Düsseldorf gekommen. Home Office auch nach 14 Tagen Ausnahmezustand kein Thema für mich. Unterwegs auf der Autobahn der Gedanke, dass es nicht klappen könnte mit der für mich fremden Videotechnik. Vor zwei Wochen hatte ich spontan die Aufgabe übernommen, die nächste Vorstandssitzung zu organisieren - online natürlich. Das werde schon irgendwie klappen mit SKYPE und so, dachte ich jedenfalls. Ach, zu kompliziert, meinte meine Frau. TEAMS sei besser. Noch besser sei ZOOM, erklärten die Kinder. Wie heißt das? Papa, einfach ZOOOOOOOM, Z-O-O-M!

Ich war noch nie Organisator einer solchen Konferenz. Beruflich konnte ich mich immer auf andere verlassen. Damit bin ich lange durchgekommen. Aber gleich werden die Kollegen sich in die Konferenz einschalten. Das erste Fenster öffnet sich. Hallo Klaus! Er wirkt gelassen. Weiß offenbar, was er tut. Da meldet sich Reiner am Mobiltelefon: Sitze am PC, mein Bildschirm hat leider keine Kamera. Och, denke ich. Das Thema hatte ich gestern in der Generalprobe auch. Zum Glück fand meine Tochter schnell die Lösung. Es geht jetzt zack-zack: Christoph taucht auf, Oliver, dann Heiko und plötzlich kommt Reiner wenigstens mit Ton in die Runde. Wir sind für heute tatsächlich komplett.

Wie geht eigentlich Videokonferenz? Gelesen habe ich, dass der Moderator das Rederecht verteilt und ansonsten für Effektivität zu sorgen hat. Gute Vorbereitung sei entscheidend. Aber sollte jetzt gelingen, was seit zehn Jahren in unseren Vorstandssitzungen nur selten funktioniert hat. Wir fangen also an ..... mit Corona natürlich. Wo tun sich im Verein aktuell Probleme? Wie sollten wir darauf reagieren? Heiko bringt plötzlich Dokumente auf den Bildschirm, die wir gemeinsam durchgehen. Erleichtert bin ich, denn die Sache mit der Bildschirmfreigabe hätte ich kaum so flüssig hinbekommen. Dann geht es weiter mit der Tagesordnung, wie immer Punkt für Punkt, kleine und große Themen, Organisatorisches und Finanzielles.

Natürlich ist man konzentriert in dieser Live-Situation. Nur, nach einer gewissen Zeit schweifen die Gedanken schon mal ab. Welchen optischen Hintergrund hat eigentlich jeder Teilnehmer? Ist er bewusst gewählt oder einfach zufällig? Sitzt Christoph noch in seiner beruflichen Umgebung? Warum ist es bei Oliver schon so dunkel? Und was will uns Heiko mit den beiden großen Schwarz-Weiß-Fotos im Rücken sagen? Als etwa zwei Stunden vorbei sind, fällt mir auf, dass ich - wie zwei andere auch - den Kopf beim Reden abstütze. Das erinnert mich an die Grundschulkinder von DINGSDA, früher im ARD-Abendprogramm. Auch schon lange her …

Wir kommen jetzt zum Ende, 21.25 Uhr. Keine schlechte Zeit, denn an besonderen Tagen kann ein Südwest-Vorstandstreffen auch bis kurz vor Mitternacht gehen. Machen wir das jetzt eigentlich immer so, frage ich in die Runde. Nein, meint Klaus. Im Mai solle man sich wieder auf dem Sportplatz treffen. Er hat Recht. Bei warmem Wetter werden wir uns dort Stühle auf die Wiese setzen und mit einem kalten Reissdorf auf das zurückgewonnene soziale Leben anstoßen - auf Abstand natürlich.

Michael Kosche


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