03.12.2018, 09:57 — Kategorie: Spielberichte

Ein Feuerwerk der Spielfreude

Hätten Fußballerinnen gegen Bergfried Leverkusen am liebsten zwei- oder dreimal 90 Minuten lang gespielt?


Nach zwei Niederlagen in Folge findet die Südwest-Elf zurück in die Erfolgsspur. Beim 6:2 (1:1) gegen die mit nur drei Punkten weniger im Gepäck angereisten Leverkusener demonstrierte sie endlich wieder ihre Klasse. Besonders in den zweiten 45 Minuten hatte der Gegner dem Tempo und den Kombinationen der Rot-Schwarzen nichts entgegenzusetzen. Bis hinein in die Nachspielzeit waren sie unterwegs auf Torejagd. Ohne die starken Reflexe ihrer vielbeschäftigten Keeperin wären die Gäste völlig untergegangen. Am kommenden Sonntag reist das DJK-Team zum in der gesamten Hinrunde siegreichen Tabellenführer SC West Köln (13.00 Uhr, Apenrader Str. 42).

Exakt vor drei Monaten waren die beiden Kontrahenten im Kreispokal aufeinandergetroffen. Bergfried hatte Zweikampfstärke bewiesen und es phasenweise mit durchdachtem Pressing versucht. Es war am Ende eine knappe Sache. Südwest gelang der Siegtreffer damals erst kurz vor Schluss. Dass sich das Geschehen auf dem Rasen am vergangenen Sonntag aber ganz anders gestalten sollte, lag vor allem an den Klettenbergern. Denn diese zeigten sich in Sachen Engagement, Organisation und Präzision so verbessert, dass die Gäste aus dem Rechtsrheinischen einfach nicht mehr mithalten konnten.


Schon die ersten Minuten ließen erkennen, dass Bergfried taktisch umgestellt hatte. Statt die Kölner beim Aufbau unter Druck zu setzen, warteten sie gut gestaffelt auf eine Umschaltsituation. Gerade hatte Bernadette Ellmer erstmals die Leverkusener Torfrau geprüft (10. Minute), da ging die Post in die andere Richtung ab. Doch bei ihren Gegenstößen zielten sowohl Mara Göttsche als auch Nadine Schöneberg daneben (11.). Es entwickelte sich ein offenes Spiel, da beide Teams nach Balleroberung schnörkellos nach vorne marschierten. Am meisten gelang Südwest in dieser Phase über links, von wo Chiara Minasso Keeperin Helena Alfes zur ersten Glanztat zwang (16.). Dann bediente die Leverkusenerin Debora Plum ihre Kollegin Nadine Schöneberg, die erst im Strafraum gestoppt werden konnte. Kurz darauf setzte sich wieder Chiara auf halblinks durch und verwandelte mit einem strammen Schuss zur Führung (27.). Schon zwei Minuten später erarbeitete sich die Siebzehnjährige die nächste Chance, doch Helen Alfes war dazwischen.

Was nach einer Ecke alles passieren kann, bekam man jetzt im Zeitraffer vorgeführt: Erst köpfte Charlotte Patzner an den Leverkusener Pfosten (30.), dann faustete sich Leonie Gawellek auf der anderen Seite die hereinfliegende Kugel selbst ins Netz (32.). Nach diesem überraschenden Ausgleich schienen die Kölner die Linie etwas verloren zu haben. Wenn man ihnen etwas ankreiden konnte, dann das zu ungestüme vertikale Spiel, das die eigenen Angriffe recht durchschaubar machte. Kurz vor der Halbzeitpause kam Charli zweimal in Schussposition: Erst zielte sie einen Meter vorbei, dann zwang sie die Schlussfrau der Blau-Weißen zur nächsten Parade (42., 44.). Südwest war in den ersten 45 Minuten die bessere Mannschaft, doch das Ergebnis drückte dies noch nicht aus.

Das sollte sich ändern, denn die Rot-Schwarzen schienen sich in der Kabine eine Menge vorgenommen zu haben. Bergfried wurde jetzt fast zum Statisten, weil der Ball in den DJK-Reihen hin und her wechselte. Ein Schuss von Marilen Kosche aus zwölf Metern wurde von der Leverkusener Torfrau noch aus der Ecke gefischt (47.), doch bei Charlis verdecktem Geschoss von der Strafraumgrenze kam sie nicht schnell genug hoch (49.). Die Gäste standen zu tief und erreichten in zehn Minuten nicht einmal die Mittellinie. Es kam daher überraschend, als Debora Plum einen langen Schlag in die Spitze erlief und erst kurz vor dem DJK-Strafraum gestoppt wurde (56.). Und die Südwest-Maschine lief munter weiter. Nach Pass von Marilen kam die frisch gekommene Jana Viertel durch, doch ihr Versuch mit der Pike landete am Außennetz (60.). Dann beschenkte sich Paulina Verspohl für ihre eindrucksvolle Tagesleistung: Mit vollem Risiko knallte sie einen zu kurz abgewehrten Ball aus 18 Metern rechts unten zum 3:1 in die Maschen (63.).

Die Leverkusener wirkten kraftlos, schienen in der ersten Halbzeit überpowert zu haben. Und die Kölner sprühten nur so vor Spielfreude. Jana spitzelte einer Innenverteidigerin die Kugel weg, leitete weiter auf die eingewechselten Eva Pampe, die nach Körpertäuschung auf 4:1 erhöhte (73.). Die wirksamste Waffe der Klettenberger schien mittlerweile ihre Unberechenbarkeit zu sein, denn mal drehten sie über rechts auf, wo Mareike Schröer die Torfrau zweimal zu Höchstleistungen zwang (74, 80.), dann über links, wo ihre Schwester Kristin Schröer nach Doppelpass durch war und im zweiten Versuch ins lange Eck traf (89). Als Charli nur Sekunden später aus der Distanz auf 6:1 stellte (90.+1), schien sich das zuletzt intensivierte Schusstraining richtig auszuzahlen. Und Helen Alfes, die ab der 80. Minute wegen einer Fingerverletzung vom Tor in die Abwehr gewechselt war, rundete ihre herausragende Leistung beim Toreverhindern mit einem direkt verwandelten Freistoß aus 25 Metern ab (90.+3).

Unsere Südwest-Elf: Leonie Gawellek - Hannah Meyer, Leonie Schuh, Jule Schillings, Kristin Schröer - Paulina Verspohl (67. Eva Pampe), Marilen Kosche - Pauline Fey (46. Mareike Schröer), Charlotte Patzner, Chiara Minasso - Bernadette Ellmer (46. Jana Viertel).


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