02.05.2019, 10:22 — Kategorie: Verein, Fußball, Spielberichte, wichtige Nachrichten

Eine Klasse schneller

DJK-Fußballdamen zeigen gegen Wiehl, dass es nicht nur auf die Beine ankommt


Die kleine Erfolgsserie von Südwest setzt sich fort. Beim 6:0 (2:0) gegen FV Wiehl 2000 zeigten sie sich über nahezu die gesamten 90 Minuten engagiert und spielfreudig. Es taten sich aber auch Leistungsunterschiede auf, wie sie in der Landesliga eher selten sind. Da auch die unmittelbaren Konkurrenten voll punkten konnten, bleibt das Rennen um den zweiten Tabellenplatz äußerst spannend. Am kommenden Sonntag (15.00 Uhr) reisen die Damen nach Rösrath.

Zur Ausbildung der DJK-Elf gehören Testspiele gegen höherklassige Gegner. Die Niederlagen fallen meistens derbe aus, bringen aber durchaus Erkenntnisse. Dass Zweikampfverhalten, Schusstechnik und Athletik eines Regionalligisten regelmäßig besser sind - geschenkt. Wichtiger ist, was in den Köpfen dieser starken Spielerinnen vorgeht. Denn sie sind auf hohem Liganiveau einfach daran gewöhnt, in allen Belangen weniger Zeit zu haben. Sekundenbruchteile machen hier den Unterschied. Wer hoch spielt, erkennt also Situationen schneller und hält gleich mehrere Lösungen bereit. Es ist diese Handlungsschnelligkeit, die die Südwest-Trainer ihrem Kader vermitteln wollen. Der Weg dahin ist lang und steil. Doch am Sonntagnachmittag in der Partie gegen FV Wiehl 2000 sah es hin und wieder so aus, als stelle sich der Trainingseffekt bei den Rot-Schwarzen bereits ein.

Eine Szene in der 23. Minute: Nike Hellkuhl hatte von der rechten Außenbahn scharf hereingegeben. FV-Torfrau Michelle Sohnius wehrte ab, bevor eine Verteidigerin auf dem anderen Flügel eine Umschaltsituation einleitete. Doch die für die Südwest-Absicherung zuständige Leonie Hölzle hatte aufgepasst und ging dazwischen. Vor sich die Unsortiertheit der schwarz-weißen Defensive entschied sie sich für den direkten Weg, schaute im Sechzehner kurz hoch und ließ der FV-Keeperin mit einem Flachschuss keine Chance. Dieses 2:0 war Extraklasse und symbolisch für die gesamte Begegnung. Denn das eine Team war hellwach, agierte fast ununterbrochen und forderte sich bis zur letzten Minute, während das andere allein um Schadensbegrenzung bemüht schien.

Südwest war offensiv aufgestellt. Gegenüber der Vorwoche waren fünf neue Gesichter in die Anfangsformation gerückt. Bereits nach fünf Minuten war Jana Viertel an der Wiehler Torfrau vorbei und scheiterte aus spitzem Winkel. Nicht lange warten musste sie auf ihren zweiten Versuch: Pauline Fey überlief ihre Bewacherin, passte nach innen, wo Jana im Nachstochern ins Netz traf (14.). Die frühe Führung war keine Überraschung, aber sie war einigermaßen hart erarbeitet. Denn vor der eigenen Viererkette hatten die Oberbergischen die zentralen Anspielstationen der Rot-Schwarzen in Manndeckung genommen und so zahlreiche Kombinationen verhindert. Der Fokus auf die Defensive schien die Gäste jedoch für eigene Offensivaktionen zu blockieren, denn jeder Aufbauversuch endete kurz hinter der Mittellinie im Dreieck der aufmerksamen Jule Schillings, Lena Mai und Ai Yoshiizumi.

Eine gute halbe Stunde hielt der Druck der Kölner an. Marilen Kosche (23.), Chiara Minasso (30.) und Pauline (35.) hatten weitere Gelegenheiten. Dann verletzten sich mehrere Wiehlerinnen hintereinander. Durch die Unterbrechungen gingen Tempo und Spielfluss verloren. Und die Gäste kamen durch ein Geschenk der Südwest-Innenverteidigung unverhofft zu ihrer ersten Chance. Die eingewechselte Cecilia Hans wirkte allerdings so überrascht, dass sie aus 15 Metern weit verfehlte (45.). Gefahr auf der anderen Seite brachte nach der Pause erst ein Freistoß von Lena aus dem linken Halbfeld. Die Kugel kam perfekt, doch keine Rot-Schwarze suchte den Raum, der sich zwischen Abwehrkette und Torhüterin aufgetan hatte (50.). Wenig später scheiterten Pauline (54.) und Nike (57.) aus kurzer Distanz an der bravourösen Michelle Sohnius im FV-Kasten.

Dann brachte Lukrecis Zajaczkowski die gerade als frische Spitze gekommene Bernadette Ellmer im Sechzehner zu Fall, doch Marilens Strafstoß stellte die Keeperin nicht vor Probleme (63.). Eine Trotzreaktion hätte der gehaltene Elfer bei den Wiehlerinnen auslösen können. Immerhin war das Momentum auf ihrer Seite, und ein Anschlusstreffer hätte womöglich neue Kräfte mobilisieren können. Doch motiviert schienen jetzt ausgerechnet die Kölner. Mit einem "Jetzt erst recht!" waren sie auf weitere Treffer aus, die ein Doppelschlag von Pauline auch bald bringen sollte. Erst musste das Talent aus dem eigenen Nachwuchs nach einer Stafette von Nike und Berni nur noch einputten (65.). Dann startete Pauline auf rechts in Höhe der Mittelline, setzte sich im Laufduell gegen drei Gegnerinnen durch und zielte gekonnt in die lange Ecke (72.). Die Torhüterin der Oberbergischen stand jetzt unter Feuer und parierte zweimal stark gegen Chiara Minasso (75., 81.). Machtlos war sie aber, als Charlotte Ufer von rechts von der Grundlinie für Berni auflegte (85.) und Chiara nach Steilpass von Lena mit dem 6:0 den Schlusspunkt setzte (88.).

Unsere Südwest-Elf: Leonie Gawellek - Nike Hellkuhl (69. Antonia Bexen), Jule Schillings, Lena Mai, Leonie Hölzle - Ai Yohiizumi (69. Leonie Schuh)- Pauline Fey, Marilen Kosche, Chiara Minasso, Charlotte Ufer - Jana Viertel (60. Bernadette Ellmer).


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