07.11.2019, 08:58 — Kategorie: Verein, Spielberichte

Entscheidung in letzter Minute

Fußballerinnen holen gegen Dirmerzheim ersten Saisonsieg


Ob das Handbuch "Hitchhiker's Guide to the Galaxy" auch ein Kapitel über Frauenfußball enthält, ist nicht bekannt. Immerhin schmückt dessen Cover in großen, vertrauenerweckenden Buchstaben der Ratschlag "Don't panic!". Dieser Empfehlung zu folgen, macht für die Südwest-Damen sicherlich Sinn. Denn in den bisherigen sechs Meisterschaftspartien sind bei nur sechs Treffer nicht mehr als drei Unentschieden geholt worden. Die Leichtigkeit der letztjährigen Torfabrik mit fast 60 Treffern ist derzeit nicht zu erkennen. Um aus dem Tabellenkeller herauszukommen, musste im Heimspiel gegen SC Dirmerzheim also der erste Dreier her.

Der Spielverlauf begann sehr vielversprechend. Über die Außenlinien stellten die schnellfüßigen Charlotte Ufer und Charlotte Patzner einen ständigen Unruheherd dar. Und in der Mitte lauerten Bernadette Ellmer und Jana Viertel auf verwertbare Bälle. Die Gästeabwehr stand unter Dauerdruck, der nur durch gelegentliche Konterversuche unterbrochen wurde. Die Abwehr um Melanie Paul war recht beschäftigungslos und Jule Schillings im Kasten musste in der ersten Hälfte nur selten eingreifen. Einmal fischte sie einer Gegnerin den Ball an der Strafraumgrenze vor den Füßen weg, ein anderes Mal parierte sie souverän. Ihr Gegenpart, Julia Tranzfeld im Erftstädter Tor, war wesentlich mehr gefordert. Einen Knaller von Nike Hellkuhl, der genau gepasst hätte, faustete sie akrobatisch über die Latte. Einen Schuss von Charli aus kürzester Distanz konnte sie nur unter vollem Körpereinsatz abwehren. Doch dann musste sie sich geschlagen geben: Kristin Schröer passte die Strafraumlinie entlang auf die freistehende Bernadette Ellmer, die quer auf Charlotte weiterleitete, bevor diese die Torfrau auf dem falschen Fuß erwischte und zur Führung einschob (15. Minute).

Ein 1:0 über die Zeit zu bringen, ist eine Herausforderung, an der man im Fußball nicht selten scheitert. Entsprechend wurde von der DJK-Elf nachgesetzt und um jeden Ball gekämpft, um die Führung auszubauen. Louisa Wiegelmann, die sich als Ballverteilerin auf der rechten Seite verdient machte, zog sich im Luftkampf eine blutige Nase zu und musste behandelt werden. Jana "Air" Viertel zeigte beeindruckende Akrobatik bei hohen Bällen, die aber nicht im Netz landeten. Bernie gelang ein wuchtiger Schuss von der Strafraumgrenze, der von der SC-Keeperin entschärft wurde. Und auch Leonie "Hölzi" Hölzle versuchte es vergeblich mit einem Abschluss. Nike Hellkuhl war für die Ausführung der zahlreichen Eckstöße zuständig. Die in die dichtgedrängte Gruppe aus rot-schwarz und blau gekleideten Spielern hineinfliegenden Bälle blieben jedoch folgenlos. So hätte sich die mangelnde Chancenverwertung der Gastgeber kurz vor dem Halbzeitpfiff fast gerächt. Denn die Erftstädter Spielführerin Jessica Zander trat einen Freistoß von der Strafraumgrenze, der knapp am Gehäuse vorbeiflog. Don‘t panic!

In den zweiten 45 Minuten kam Dirmerzheim besser ins Spiel. Südwest blieb weiterhin spielbestimmend, ohne freilich Zählbares herauszuholen. Dann nahmen die Gäste einen bemerkenswerten Positionswechsel vor: Aus einer guten Torhüterin wurde nach kurzer Umziehpause eine Stürmerin, die allein durch ihre körperliche Präsenz für Hektik in der DJK-Verteidigung sorgte. Ein gelungener Schachzug! Denn Julia Tranzfeld überrannte plötzlich ihre Gegenspielerin und vollstreckte mit einem gezielten Schuss zum Ausgleich. Wieder sah es so aus, als würden die Rot-Schwarzen ohne drei Punkte vom Platz zu gehen. Doch: Don‘t panic! Die verbleibenden Minuten wurde angegriffen, bis es zur spielentscheidenden Szene kam: Eine SC-Abwehrspielerin bekam im eigenen Sechzehner einen Schuss an den Oberarm, was der Schiedsrichter nach kurzem Zögern mit einem Elfmeter ahndete. Angelegt oder nicht? Ein Videoassistent konnte trotz wütender Proteste der Gäste nicht eingeschaltet werden. Charli blieb cool und nagelte unerreichbar in die Maschen. 2:1 für Südwest!

Die Nachspielzeit war laut und hektisch. Die Gäste fühlten sich betrogen und Südwest spielte nur die Uhr herunter. Keine einfache Aufgabe für den Schiedsrichter, der noch die eine oder andere gelbe Karte verteilte. Der Sieg für die DJK-Elf entsprach den Spielanteilen. Er zeigt, dass sich ein Team mit Willen und Selbstvertrauen am Ende belohnen kann. Don‘t panic!

Unsere Südwest-Elf: Jule Schillings - Melanie Paul, Charlotte Patzner, Louisa Wiegelmann (70. Helena Hort), Charlotte Ufer, Jana Viertel (90. Louisa Roling), Kristin Schröer, Leonie Hölzle, Bernadette Ellmer (59. Josefin Collin), Paulina Verspohl, Nike Hellkuhl.
Unsere Tore: 1:0 Charlotte Ufer (15.), 2:1 Charlotte Patzner (90.)


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