26.07.2018, 16:09 — Kategorie: Verein, Spielberichte

Flüchtlingsduo mischt C-Juniorinnen auf

DJK Südwest unterstützt erfolgreiches Integrationsprojekt im Mädchenfußball


Die Kölner „Scoring Girls“ der Hilfsorganisation Hawar.Help aus Berlin und DJK Südwest Köln zeigen praktisch, wie eine Integration durch Fußball funktionieren kann. Zwei Flüchtlingsmädchen aus der „Scoring“-Gruppe gehören jetzt zum Kader der U 15-Juniorinnen.

 

„Ich arbeite gern bei der Integration der Flüchtlingsmädchen mit, so gut mir das als Fußballtrainer möglich ist", sagt Franco Nuvoloni, Coach der C-Juniorinnen von Südwest. Der Verein mit rund 200 aktiven Mädchen und Frauen in zahlreichen Teams unterschiedlicher Altersklassen gehört zu den größten im Verband Mittelrhein . Jetzt gehören auch zwei Mädchen dazu, die bei den „Scoring Girls“ vor zwei Jahren ihre Freude am Kicken wiedergefunden haben und jeweils mittwochs für zwei Stunden ausleben. Künftig können Melika und Silva sogar an vier Tagen in der Woche kicken, denn die C-Juniorinnen üben montags, dienstags und donnerstags. Trainingsbeginn nach der ferienbedingten Sommerpause ist der 21. August. […]

 

Silva und Melika haben als erste Mädchen aus der Flüchtlingsgruppe den nächsten Schritt, nämlich in einen Verein, getan. Ganz zur Freude von  "Scoring Girls"-Initiatorin Tugba Tekkal . „Silva und Melika bestärken mich durch ihre Entwicklung, dass mein Einsatz richtig ist“, sagt die ehemalige Spielerin des 1. FC Köln. „Der Weg in den Verein ist ein wichtiger Schritt zur weiteren Integration und in ein selbstbestimmtes wie eigenverantwortliches Leben.“ Beide Mädels gehören dem Jahrgang 2005 an. Im Winter kam der Kontakt zu Südwest zustande. „Ich habe die beiden sehr gerne bei uns aufgenommen, als die Anfrage kam“, sagt Nuvoloni. Die Mädels sind vorerst beitragsfrei gestellt, seit April trainieren sie mit. Melika kommt aus dem Iran. „Ich habe dort auch schon Fußball gespielt, auf der Straße, musste aber ein Kopftuch tragen und mich immer verstecken, wenn einer kam“, berichtet sie und nennt sogleich ihr ganz großes fußballerisches Ziel: „Ich möchte richtig gut und Fußballprofi werden.“

 

Silva kommt aus Syrien. „Sie lebt gemeinsam mit Mama und Bruder in einer Ein-Zimmer-Wohnung. Der Vater ist tot. In ihrer Heimat durfte sie nicht Fußball spielen, tat es aber trotzdem, heimlich und verkleidet als Junge.“ Sie habe immer gedacht, dass sie etwas falsch mache. „Ihren Zopf, der heute hinter ihr herfliegt, versteckte sie daher unter einer Kappe. Ausgestattet mit guten Führungsqualitäten ist Silva sehr ehrgeizig. Ich habe sie zur Kapitänin gemacht, um sie so zu fördern“, berichtet Tekkal. Aus dem schüchternen Mädchen, das nur selten sprach, sei eine echte Anführerin geworden. „Im Alltag ist sie inzwischen viel selbstbewusster unterwegs, eine Stütze für ihre Mutter und ihren Bruder. Anfangs wollte sie nicht über ihre Familie reden." Aber dann zeigte sie großes Talent am Ball, war die Beste auf dem Platz. Der Fußball habe das Mädchen komplett verändert.

 

Trainer Nuvoloni hat die Qualitäten der beiden schnell erkannt und freut sich auf die weitere Zusammenarbeit. […] „Ich habe sehr offene Mädels, die unsere Neuen ohne Vorbehalte aufgenommen haben. Silva und Melika reden von sich und finden interessierte Zuhörerinnen - das passt einfach“, freut sich der Coach. „Beim Saisonabschluss mit Grillen, WM-Gucken und Übernachtung auf unserem Vereinsgelände haben meine Mädels wie selbstverständlich für Schlafsäcke und Isomatten gesorgt. Es ist klasse, dass alles so gut funktioniert.“ Toleranz und Teamgeist. Keine pädagogische Vorgabe, sondern gelebte Selbstverständlichkeit. […] Silva hat sogar schon ihr erstes Tor geschossen. Beim 5:1 gegen die englischen Gäste der Carpenters Hume School aus Sunderland war das. Und auch bei einem stark besetzten Turnier in Düsseldorf neulich habe sie überzeugt, lobt der Coach.

 

Quelle: in Auszügen aus fussball.de, Autor: Rainer Hennies

Informationen zu hawar.help gibt es hier


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