05.10.2018, 09:27 — Kategorie: Verein, Spielberichte

Fußballausbildung in 4.849 Tagen

Südwest-Damen gewinnen erstmals ein Kölner Pokalfinale


Erstmals in der langen Geschichte von DJK Südwest Köln haben die Fußballerinnen ein Pokalfinale gewonnen. Beim 1:0 (0:0) gegen den SC West Köln vor rund 200 Zuschauern in Köln-Flittard waren die Spielanteile recht ausgeglichen verteilt. Die Entscheidung zugunsten der Klettenberger fiel erst spät per Foulelfmeter. Der Titel berechtigt nun zur Teilnahme am FVM-Pokal, wo man sich mit den Pokalsiegern der anderen neun Fußballkreise und einigen Regionalligisten auseinanderzusetzen hat. Doch erst einmal geht es in der Liga am kommenden Samstag zur Auswärtspartie gegen den SV Eulenthal (13.30 Uhr, Overath-Marialinden).

Ein Finale bedeutet Anspannung - überall im Sport. Auf großer Bühne geht es für die Akteure nicht nur um Sieg und Niederlage, sondern vor allem um ein persönliches Erlebnis, das noch lange in Erinnerung bleiben wird. Der Start ist daher häufig von taktischer Disziplin und Vorsicht geprägt. Möglichst kein Risiko eingehen und auf die Fehler der andere Seite warten. - Und die kamen beim Fußball-Kreispokalfinale am vergangenen Mittwoch zunächst von Südwest: Die Innenverteidigung verlor den Ball gegen Katharina Rawicki, die auf rechts bis zur Grundlinie sprintete und Antonia Mengede bediente, die im allerletzten Moment von Jule Schillings geblockt wurde (4.). Kurz darauf stand die Südwest-Verteidigung bei einem Freistoß aus der West-Hälfte zu hoch. Katharina Rawicki erreichte den Ball vor der herausgeeilten Torfrau Ines Loll und zielte einen halben Meter neben den linken Pfosten (10.). Nach einer Viertelstunde wurden die Klettenberger sicherer. Bernadette Ellmer legte auf für Chiara Minasso, deren Schuss aus 14 Metern über die Latte strich (16.). Einen Freistoß von Mareike Schröer aus 25 Metern fischte Katrin Hoffmann gekonnt aus dem Winkel (19.).

Wenig später wirkte die SC-Keeperin unsicher, als sie eine hohe Flanke von Paulina Verspohl erst im dritten Versuch unter Kontrolle bekam (23.). Dann war erst einmal Schluss mit den Torszenen. Die Rot-Schwarzen wirkten im Aufbau zwar zunehmend selbstbewusst, doch ihre Angriffe wurden regelmäßig vor dem Sechzehner abgefangen. Und die Ehrenfelder, die sich kaum um Seitenverlagerungen bemühten, brachten überraschende Züge nicht mehr zustande. Es schien, als hätten beide Teams nach kurzem Abtasten verstanden, wie man den Stärken des Gegners an diesem Tag am besten beikommen kann. Bedrohlich wurde es für Südwest nur ein einziges Mal: Die auffällige Katharina Rawicki, Neuzugang von der SG Erfthöhen, traf mit einem Freistoß aus 22 Metern die Latte und Victoria Knorr-Held verzog beim Nachschuss (40.).

Eine Schrecksekunde bereiteten die Rot-Schwarzen ihren Freunden hinter der Bande kurz nach der Pause. Ines trat bei einem harmlosen Rückpass über den Ball und klärte erst im Nachsetzen (48.). Es ging nun härter zur Sache. Die Blauen erhöhten den Körpereinsatz und die DJK-Elf hielt konsequent dagegen - auch auf Kosten des einen oder anderen Freistoßes (53., 56.). Offensive Akzente beim SC West setzte unverändert nur Katharina Rawicki. Auf rechts überlief sie die Abwehr, doch ihr Pass auf Jeanette Pigulla wurde von Jule abgefangen (61.). Jetzt ging es für einige Minuten Schlag auf Schlag: Ein Freistoß von Mareike aus 30 Metern strich knapp über das Gehäuse (66.). Wenig später hatte Südwest große Mühe, nach einer Ecke zu klären. Erst im sechsten, siebten Anlauf wurde die Kugel aus der Box befördert, bevor Jessica Schmidt aus dem Rückraum verzog (68). Danach fiel den Ehrenfeldern nichts mehr ein.

Die Rot-Schwarzen waren mittlerweile läuferisch überlegen, standen dadurch sehr kompakt. Sie zwangen den Gegner, das Mittelfeld mit langen Bällen zu überbrücken, die jedoch regelmäßig keine Abnehmer fanden. Die junge Südwest-Elf übernahm die Zentrale, wo plötzlich Kombinationen über fünf, sechs Stationen gelangen. Zunächst kamen die Pässe des DJK-Mittelfeld aber nicht in der Spitze an - auch wegen einiger Abseitsstellungen. Nach einer Ecke schaffte es Charlotte Ufer in aussichtsreicher Position nicht hoch genug in die Luft (72.). Dann geschah, was sich irgendwie abgezeichnet hatte: Chiara schlug halblinks hinter die SC-Kette, Charlotte überlief Verteidigerin Christina Stupp und wurde im Strafraum von Katrin Hoffmann von den Beinen geholt. Den Strafstoß verwandelte Charlotte Patzner souverän zur Führung (81.). Die Ehrenfelder wollten zurückschlagen, doch weil Südwest geschickt verteidigte, passierte auch in der großzügigen Nachspielzeit von Schiedsrichterin Manuela Stüßer nicht viel.

Beim Anhang der Rot-Schwarzen sprach man schnell vom „historischen Erfolg“. Karlheinz Alger, der sich seit vielen Jahren um den Mädchennachwuchs kümmert, erinnerte an den Beginn des Frauenfußball im Verein. Am 24. Juni 2005 hatte eine von ihm hartnäckig aus verschiedenen Schulen angeworbene Gruppe D-Mädchen ihr erstes Freundschaftsspiel beim SV Hitdorf mit 2:1 gewonnen. Exakt 4.849 Tage später dürfen sich einige Spielerinnen von damals als „Kölner Kreispokalsieger 2018“ bezeichnen. Nach der Ehrung durch die Offiziellen gab sich die DJK-Elf etwas der üblichen Siegerfolklore hin. Die Gegner, die gerade ihr drittes Finale hintereinander verloren hatten, verschwanden enttäuscht in der Kabine.

Unsere Südwest-Elf: Ines Loll - Kristin Schröer, Jule Schillings, Antonia Bexen, Helena Hort - Chiara Minasso, Paulina Verspohl (90.+2 Melanie Paul), Charlotte Ufer, Mareike Schröer, Charlotte Patzner (89. Leonie Hölzle) - Bernadette Ellmer (62. Leonie Schuh).

Auch der Fußball-Verband berichtet über das Pokalfinale, zu lesen hier.


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