10.01.2020, 13:31 — Kategorie: Verein, Fußball, Spielberichte, Aufmacher (2-4)

Lösung für Kunstrasen-Rücklage auf Frühjahr vertagt

Abteilungsbeitrag „Fußball“ von monatlich 5,00 Euro bleibt erst einmal unverändert


 

Drei Jahre nach Fertigstellung ist das große Kunstrasenfeld von DJK Südwest Köln gut in Schuss. Zu verdanken ist das Günther Juchem, der mit der auf einem Kleintraktor montierten Pflegemaschine bei jedem Wetter unzählige Bahnen dreht. Woche für Woche bürstet der Platzwart auf diese Weise die grünen Fasern auf, um organisches Material aus der empfindlichen Granulatschicht aufzusammeln. Mit dem Ergebnis ist er zufrieden, doch er macht sich keine Illusionen: Die Beanspruchung mit fast 40 Trainingsgruppen wird auf Dauer Spuren hinterlassen. Auch Südwest-Vorstand Klaus Meinel sieht die Sache realistisch: „Der Hersteller verspricht, dass der Rasenbelag zehn Jahre hält. Bei unserer extremen Nutzung müssen wir davon ausgehen, dass spätestens 2028 eine Erneuerung ansteht.“

Auch die Mitte Dezember zur Abteilungsversammlung erschienenen Fußballerinnen und Fußballer zweifelten diese Einschätzung nicht an. Einen abgenutzten Teppich mit großflächigen Flicken in den Strafräumen und fehlenden Elfmeterpunkten mochte sich niemand vorstellen. Denn mehr als drei Jahre nach dem Abschied vom alten Aschenplatz sind die Ansprüche in allen Südwest-Mannschaften gewachsen. Wie also kann sich der Verein während der kommenden acht, neun Jahre auf Investitionen von weit über 300.000 Euro vorbereiten? Jedem war klar, dass solche Beträge für einen Breitensportverein trotz städtischer Zuschüsse aus den normalen Mitgliedsbeiträgen nicht zu finanzieren sind.

Schatzmeister Reiner Thur rechnete vor, dass ein Zusatzbeitrag von monatlich 3,00 Euro reicht, um eine entsprechende Summe anzusparen. Eine dauerhafte Beteiligung aller Fußballer an den Kosten sei zumutbar, weil sich für jedes Mitglied ab Januar - verglichen mit dem bisherigen Sonderbeitrag von 5,00 Euro für den Bau der Sportanlage - sogar eine Entlastung ergebe. Diesem Argument mochten freilich nicht alle Anwesenden folgen. Die einen meinten, das höhere öffentliche Gelder eingefordert werden sollten, denn Sport und Bewegung seien ein wichtiges gesellschaftliches Anliegen. Andere befürworteten weitere Finanzierungsquellen wie Bandenwerbung. Lebhaft wurde die Diskussion, als die Leistungsfähigkeit der einzelnen Mitgliedergruppen hinterfragt wurde. Sollten Erwachsene mit laufendem Einkommen nicht stärker zur Kasse gebeten werden? Würden Eltern einen um 2,00 Euro verringerten Zusatzbeitrag ihres Kindes überhaupt wahrnehmen? Müssten die Beiträge für junge Erwachsene nicht niedrig gehalten werden, um Talente aus dem Nachwuchs halten zu können. 

Am Ende sprach sich eine knappe Mehrheit der Stimmberechtigten dafür aus, den künftigen Abteilungsbeitrag der Fußballer bei 3,50 Euro anzusetzen und Studenten wie Auszubildende davon zu befreien.

Die Gegner dieses Beschlusses sparten in den Folgetagen nicht mit Kritik, die Befürworter verteidigten sich. Es ging hoch her in einigen Chat-Gruppen. Drei Tage nach der Versammlung informierte der Vereinsvorstand die Fußballleitung dann darüber, dass der beschlossene Zusatzbeitrag die nach Satzung erforderliche Vorstandsgenehmigung nicht erhalten werde. Im Rahmen seiner turnusmäßigen Sitzung am 8. Januar sprach sich der Vorstand schließlich einstimmig gegen diese Genehmigung aus.   

Damit läuft der bisherige Beitrag zumindest bis Ende des ersten Quartals weiter. Neben formalen Bedenken ist für den Vorstand entscheidend, dass der Beschluss nicht mit den Werten von Südwest vereinbar sei. Vorsitzender Michael Kosche: „Wir spüren in vielen Lebensbereichen eine Tendenz zur Entsolidarisierung. Wo früher Verantwortung übernommen wurde, wird sie heute leider nicht selten weggeschoben. Als Sportverein mit pädagogischem Anspruch wollen wir ganz bewusst einen anderen Weg gehen. Breitensport kann nur funktionieren, wenn sich Mitglieder für andere Mitglieder engagierten; mit persönlicher Nutzenoptimierung komme man da nicht weiter.“

Nun soll ein zweiter Anlauf für die Anpassung des Zusatzbeitrags genommen werden. Als Termin für die nächste Abteilungsversammlung ist der 16. März 2020 vereinbart worden. „Bis dahin müssen wir das Thema mehr als bisher in die einzelnen Mannschaften tragen“, meint John Geiter, der den Spielbetrieb der C- und D-Junioren verantwortet. Es gehe um eine wichtige Zukunftsentscheidung, die von einer großen Mehrheit der Fußballer getragen werden soll. Dafür wolle man in den kommenden Wochen die Voraussetzungen schaffen.


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