21.06.2019, 15:16 — Kategorie: Fußball, Verein, Spielberichte, wichtige Nachrichten

Mitten in der Ausbildung

Was die Südwest-Fußballerinnen können und was noch nicht, zeigt das Saisonfinale gegen SC West


Mit einer Niederlage gegen den Meister beendeten die Rot-Schwarzen die Saison. Beim 0:1 (0:0) am vergangenen Sonntag waren sie - wie in den zwei Begegnungen zuvor - durchaus auf Augenhöhe. So zeigten hohe Laufbereitschaft und gelungene Kombinationen. In Sachen Effizienz und Zweikampfstärke kamen sie allerdings nicht an die erfahrenen Ehrenfelder heran, was letztlich den Unterschied machte. Die Mannschaft von Trainer Oliver Minasso blickt damit zurück auf eine positive Saisonbilanz. Sogar der zweite Tabellenrang schien vor wenigen Wochen noch in Reichweite. Im August wird der große Kader aufgeteilt, um mit einer durch Nachwuchsspielerinnen ergänzten zweiten Mannschaft auf Kreisebene an den Start geht.

Furios hatte die Dortmunder Borussia die letzte Bundesliga-Saison begonnen. Mit neuem Trainer zeigte sie mitreißendes Offensivspiel und Siegeswillen bis zur letzten Sekunde. Nicht selten lag der Altersdurchschnitt der Startformation unter 24 Jahren, darunter bis zu vier Talente unter 20. Am 6. Spieltag übernahmen die Dortmunder die Tabellenführung und monatelang zweifelte kein Fußballexperte an der Meisterschaft der Gelb-Schwarzen. Im März schien dem jungen Team dann die Puste auszugehen. Mit einem 0:5 gegen den Münchner Rivalen gab man den ersten Tabellenplatz ab. Die Medien urteilten hart: Von einer Mannschaft, "die wie mit Lampenfieber und zittrigen Knien auf einer übergroßen Bühne stand", berichtete die F.A.Z. Die Borussen seien "als verschüchterte Strichmännchen in schwarz-gelb" aufgetreten. Offenbar wollte niemand wahrhaben, dass die Münchner eine vier Jahre ältere Truppe auf dem Feld hatten. Und das kann entscheidend sein! Denn die Jugend braucht im Fußball etwas Entwicklungszeit, um die Alten zu bezwingen. Was auch die Begegnung zwischen Südwest und dem SC West zeigte.

Auf im Mittel 19 Jahre brachte es die DJK-Elf, die den Mitzwanzigern des neuen Landesliga-Meisters gegenüberstand. Doch der Unterscheid war zunächst nicht relevant, weil beide Kontrahenten kontrolliert begannen. Die Absicherung stand im Vordergrund - mit der Wirkung, dass jeder Angriffsversuch früh steckenblieb. Erst ein Abstimmungsproblem in der West-Innenverteidigung versetzte Bernadette Ellmer in die Lage, frei in den Strafraum einzudringen. Doch der Winkel wurde zu spitz, weil es sie beim Umkurven der Torfrau zu weit nach außen getrieben hatte (10.). Kurz darauf traf Chiara Minasso nach einer einstudierten Ecke aus 18 Metern die Latte (12.). Die nächsten Szenen ergaben sich dann auf der anderen Seite. Erst musste Kristin Schröer nach einem Eckball für ihre Torhüterin kurz vor der Linie klären (21.). Dann scheiterte Celine Hartung nach Fehler der erstmals als Innenverteidigerin eingesetzten Nike Hellkuhl an Ines Loll (29.). Drei Freistöße im Angriffsdrittel ergaben sich in der Folge für die Klettenbergber, doch Gefahr entfalteten sie nicht. Dafür waren die Rot-Schwarzen ab der 35. Minute fast ununterbrochen in Ballbesitz, da sie das schematisch angelegte Spiel der Gäste durchschauten. Als Berni in der Spitze einen Pass abfing und Chiara in Position brachte, lag die Führung für Südwest in der Luft. Doch der 14-Meter-Schuss flog über das Gehäuse (37.)

Es waren Fehler der DJK-Damen, aus denen sich nach der Pause zwei Chancen für Blau-Gelb entwickelten: Erst ein schlechtes Zuspiel von Paulina Verspohl beim Aufbau (48.), dann eine missglückte Abwehr von Hannah Meyer (53.). Beide Situationen blieben folgenlos, weil Stürmerin Stefanie Drießen nicht ihren besten Tag hatte und wenig später ausgetauscht wurde. Zwischendurch war Pauline Fey auf dem rechten Flügel entwischt, nur ihre scharfe Flanke rauschte irgendwo im Rücken der Sturmpartner durch (50.). Die Westler wirkten passiv, schienen ausschließlich auf den langen Schlag in die Spitze aus. Südwest hatte ein klares Übergewicht und war bemüht, den Riegel der Gäste mit kurzen Pässen zu knacken. Als Charlotte Ufer nach Vorarbeit von Pauli plötzlich von halb links in die Box stürmte, schien sich der Aufwand auszahlen. Aber die flinke Außenspielerin bekam mit dem schwachen Fuß keinen Druck auf die Kugel (63.). Wie man es besser macht, zeigte wenig später Antonia Mengede: Nach einem Ballverlust von Nike im Strafraum traf sie aus zehn Metern über Ines hinweg ins Netz (65.).

Die Führung der Gäste kam überraschend, aber sie hatte Folgen. Denn die SC-Elf wurde jetzt selbstbewusster. Nicht das erste Mal stand sie vor der Aufgabe, eine knappe Führung über die Zeit zu bringen. Sie tat nun noch weniger für die Offensive und beschränkte sich auf die Abschirmung. Der Unterschied zwischen Erfahrung und Unerfahrenheit war mittlerweile unverkennbar. Während die Rot-Schwarzen fast ununterbrochen in Bewegung waren, machten die Ehrenfelder die notwendigen Wege - nicht mehr aber auch nicht weniger. Südwest verlor außerdem die entscheidenden Zweikämpfe in der Spitze. Trotzdem hätte der Ausgleich fallen können: Nach einem Freistoß von Nike, setzte Mareike Schröer im zweiten Versuch auf die Latte (78.). Und gleich beim nächsten Angriff verfehlte die in dieser Phase auffällige Mittelfeldspielerin das Tor äußerst knapp (79.). Südwest war ständig in der Vorwärtsbewegung, doch nennenswerte Strafraumszenen ergaben sich nicht mehr. Die Ehrenfelder störten den Spielfluss geschickt mit einigen taktischen Fouls und hätten das harte Einsteigen in der Schlussphase nicht nötig gehabt. Als die Gastgeber auf eine Zweier-Abwehr umstellten, kam die eingewechselte SC-Stürmerin Jeanette Pigulla zu einem Konter, bevor ihr vor dem Tor die Kraft ausging (88.).

Im Vergleich zum Vorjahr machten die DJK-Damen in der laufenden Saison einen weiten Sprung. Sie erzielten die zweitmeisten Treffer der Liga und kassierten die zweitwenigsten Gegentore. So gesehen wirkt die Punktausbeute von Ø 1,95 fast schon etwas niedrig. Ausschlaggebend für den am Ende recht großen Abstand zur Tabellenspitze waren nicht die drei verlorenen Partien gegen starke Teams, sondern die zwei Niederlagen und drei Unentschieden gegen den schwächeren Teil der Liga. Bei einem Überangebot an schnellen und technisch starken Mittelfeldakteurinnen fehlt es auf Schlüsselpositionen noch an Qualität, um stabilere Ergebnisse einzufahren. Mitten in der Ausbildung befindet sich das junge Südwest-Team und mit jedem Jahr gewinnt es an Reife. - Wie übrigens auch die Dortmunder in der kommenden Bundesliga-Saison …

Unsere Südwest-Elf: Ines Loll - Hannah Meyer (78. Helena Hort), Nike Hellkuhl (80. Leonie Schuh), Leonie Hölzle, Kristin Schröer - Paulina Verspohl, Mareike Schröer - Pauline Fey, Chiara Minasso, Charlotte Ufer - Bernadette Ellmer (46. Charlotte Patzner).


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