17.12.2018, 08:52 — Kategorie: Verein, Spielberichte

Nasser Hector nimmt's sportlich

Fußballerinnen müssen sich im Spitzenspiel beim SC West Köln geschlagen geben


Auch die DJK-Elf kann den souveränen Tabellenführer aus Ehrenfeld nicht stoppen. Beim 1:2 (1:1) am zweiten Adventssonntag zeigte sie jedoch eine gute Leistung. Es war kein Tag der Torchancen, wenige Schlüsselszenen waren entscheidend. Doch mit mehr Zielgenauigkeit und etwas Glück wäre für Rot-Schwarz an diesem Tag bei strömenden Regen viel mehr möglich gewesen. Das junge Team, das mit dieser Niederlage endgültig aus der Spitzengruppe der Landesliga-Staffel 1 herausgefallen ist, darf allerdings stolz sein, den Favoriten ähnlich wie im Pokalfinale an seine Grenzen gebracht zu haben. Weiter geht es für die Rot-Schwarzen im neuen Jahr mit einigen Freundschaftsspielen. Der Ligabetrieb startet erst wieder im März.

Dominant tritt in dieser Saison das Team vom SC West Köln auf. Alle acht Liga-Begegnungen hat es für sich entschieden - häufig recht deutlich. Außerdem sämtliche Freundschafts- und Pokalspiele. Nur das Pokalfinale gegen das junge Team von DJK Südwest Köln ging verloren. Dessen Trainer Oliver Minasso und Sven Roth wollten diesen Erfolg nun in der Liga wiederholen. Ihre Mannschaft sollte sich gegen den SC West nicht - wie viele Gegner zuvor - verstecken und von vornherein in die Niederlage fügen, sondern ganz selbstbewusst agieren. Drei Punkte sollte sie aus Ehrenfeld mitnehmen und den Abstand zur Tabellenspitze verkürzen. Um daran zu erinnern, was im Fußball möglich sein kann, wurde Maskottchen Hector weithin sichtbar auf dem Dach der Ersatzbank platziert - die Pokalmedaille stolz um den Hals.

Von großem Selbstbewusstsein war zu Beginn jedoch nicht viel zu sehen bei den Klettenbergern, eher von Nervosität. Vor allem ihre Hintermannschaft brachte sich mehrfach selbst in Verlegenheit. Mehrere Chancen für die Blau-Gelben waren die Folge, doch Zählbares sprang nicht heraus (1., 2., 3., 5.). Dann setzte Südwest das erste Ausrufezeichen: Paulina Verspohl steckte halblinks durch auf Charlotte Ufer, die allein vor Torfrau Katrin Hoffmann aus zehn Metern vorbei zielte (9.). Beide Teams bemühten sich nun um Kontrolle, aus der heraus die Westler zwei weitere Gelegenheiten hatten: Katharina Ranicki war plötzlich links durch, scheiterte aber an der aus dem Kasten geeilten Leonie Gawellek (12.). Dann schickte Anne Doss einen Freistoß von der Mittellinie, der direkt angenommen und von der Südwest-Keeperin zur Ecke abgewehrt wurde (15.). Für die nächsten zehn Minuten kam der Tabellenführer dann nicht mehr nach vorne, weil die Rot-Schwarzen schon weit in der gegnerischen Hälfte attackierten und jeden geordneten Aufbau unterbanden.

Ein von Lea Oetker ans Aluminium gesetzter Eckstoß leitete eine Phase der Standards ein (28.). Spielerische Vorteile konnte jetzt kein Team für sich verbuchen, aber bei intensiven Zweikämpfe häuften sich Ecken und Freistöße. Es herrschte große Anspannung, wenn ein Ball in den Strafraum segelte, wenngleich beide Abwehrreihen aufmerksam waren und die Situationen klären konnten. Dann setzte die aus taktischen Gründen in die Spitze beorderte Mareike Schröer zum unwiderstehlichen Sprint an. Über fast 40 Mieter lief sie allen davon und zielte aus zwölf Metern neben den langen Pfosten (39.). Kurz darauf auf der anderen Seite ließ Leonie eine Flanke von Katharina Ranicki über die Hände rutschen, so dass Stefanie Drießen in ihrem Rücken für die Führung nur den Kopf hinhalten musste (40.) Südwest schien der Rückstand nichts auszumachen. Ein Freistoß von Leonie Schuh aus 25 Metern landete zwar im Netz, doch Schiedsrichter Edmund Kinzel, der über die Aufhebung des früheren Sonderstatus für Torleute selbst nach sechs Jahren nicht informiert schien, sah eine Behinderung von SC-Keeperin Katrin Hoffmann im Fünfmeterraum und annullierte den Treffer (44.). Der Ausgleich fiel wenig später. Chiara Minasso und Pauli lockten die Ehrenfelder nach einer Ecke nach außen, so dass Charlotte trotz Größennachteils aus zentraler Position per Kopf treffen konnte (45.+3).

Obwohl es mittlerweile in Strömen regnete, war die Schlussphase der ersten Halbzeit hitzig. Vor allem auf den Trainerbänken war es laut gewesen. Als es nach der Pause auf dem Feld entspannter zuging, war die Überlegenheit der Rot-Schwarzen zunächst erst einmal dahin. Die ersten zehn Minuten gehörten den SC-Spielerinnen, die abwarteten und nach Balleroberung schnell nach vorne rückten. Mit Erfolg! Katharina Ranicki zog auf dem rechten Flügel zwei Verteidigerinnen auf sich, passte scharf nach innen, wo Anne Doss ihrer Bewacherin Hannah Meyer für einen Moment entschlüpft war und mit Wucht ins Schwarze traf (53.). Die Erleichterung über die Führung schien groß bei den Gastgebern. Nahm sie ihnen doch den Druck, das Spiel aufziehen zu müssen. "Safety First" schien nun ihre Devise, weil Südwest sich keineswegs aufgab. Ein Freistoß von Vicki aus 18 Metern wurde von einer West-Spielerin per Kopf auf der Torlinie abgewehrt (64.). Dann trat die frisch gekommene Pauline Fey nach einer Ecke aus kurzer Distanz über den Ball (65). Und Torfrau Hoffmann rettete ihre Elf gleich zweimal: Einen Schuss von Mareike von der Strafraumgrenze lenkte sie irgendwie um den Pfosten (71.), einen völlig missratenen Befreiungsschlag der eigenen Abwehrspielerin wehrte sie mit den Fingerspitzen ab (74.).

Auf eine ungemütliche Endphase hätten sich die Blau-Gelben einstellen müssen, wenn der Schiedsrichter die schon gelbbelastete Katharina Ranicki nach einem taktischen Festhalten im Mittelfeld vom Feld geschickt hätte. Das tat er allerdings nicht. Und so wollte der Ausgleich einfach nicht fallen, die fast zur Gewohnheit gewordene Schlussoffensive der Klettenberger fiel aus. Der Tabellenführer igelte sich in der eigenen Hälfte ein, so dass die meist durchschaubaren Angriffe der DJK-Damen regelmäßig vor dem Strafraum endeten. Zwingende Szenen ergaben sich nicht mehr. Beim Schlusspfiff war Maskottchen Hector oben auf dem Dach der Trainerbank so nass wie in seinem ganzen Hundeleben nicht. Unzufrieden mit der Leistung seiner Mädels schien er aber nicht.

Unsere Südwest-Elf: Leonie Gawellek - Hannah Meyer, Leonie Schuh, Jule Schillings (85. Leonie Hölzle), Kristin Schröer - Paulina Verspohl, Marilen Kosche - Charlotte Ufer (63. Pauline Fey), Chiara Minasso (78. Bernadette Ellmer), Charlotte Patzner - Mareike Schröer.


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