20.11.2020, 16:36 — Kategorie: Verein, Aufmacher (2-4)

Solidarität mit Katholischer Hochschulgemeinde!

Erzbistum Köln legt Website still, um kritisches Positionspapier verschwinden zu lassen


Während der Sportbetrieb in Sülz/Klettenberg ruht, gibt es Aufregung bei der im gleichen Stadtteil tätigen Kölner Hochschulgemeinde. Es geht um Kirchenkritik und Loyalitätspflichten als Arbeitnehmer. Eine komplizierte Geschichte, die mit Sport und Bewegung nichts zu tun hat. Dennoch bezieht der Südwest-Vorstand hier Position für die aus der langjährigen Zusammenarbeit eng verbundene Hochschulgemeinde - nicht nur, weil die eigenen Sportler das kirchennahe „DJK“-Logo auf dem Trikot tragen. Denn es geht nicht zuletzt um die Frage, wie man mit jungen Leuten umgeht, die gesellschaftliche Verantwortung übernehmen.

Vor zwei Tagen wurde über den Kölner Stadt-Anzeiger bekannt, dass das Erzbistum Köln die Website der Katholischen Hochschulgemeinde (KHG) hat abschalten lassen. Vorausgegangen war eine Auseinandersetzung über ein bereits im April 2019 veröffentlichtes Positionspapier, in dem sich KHG-Hauptamtliche kritisch über die Außendarstellung der katholischen Kirche äußern. Das 1½ Seiten lange Papier nimmt Bezug darauf, dass es selbst denjenigen, die sich der Kirche noch zugehörig fühlen, angesichts des Missbrauchsskandals zunehmend schwerfällt, sich mit ihr zu identifizieren. Die Verfasser fühlten sich also verpflichtet, ihre eigenen Positionen zu kirchlichen Reformen darzulegen, um den Zugang zu den vielen Studierenden nicht zu verlieren. Während das Erzbistum die Veröffentlichung im Internet untersagte, beharrte die KHG darauf. Der Streit spitzte sich über Monate zu und führte am Ende zur Abschaltung, womit das Bildungsangebot der KHG über Tage nicht verfügbar war. Arbeitsrechtliche Schritte sind nach Presseberichten nicht ausgeschlossen.

Das brisante Positionspapier ist im Internet und in den Sozialen Medien problemlos auffindbar. Die Kritik an den Amtsträgern der katholischen Kirche ist scharf formuliert. Inhaltlich wendet sich das Papier u.a. gegen das religiöse Aufladen von Macht, die enge Sexualmoral und die Absolutheit der amtskirchlichen Deutungshoheit. Damit bezieht es sich auf Themen, die in dem von der Deutschen Bischofskonferenz organisierten neuen Diskussionsforum „Synodaler Weg“ ganz oben auf der Agenda stehen . Es werden von der KHG somit Positionen bezogen, die auch zahlreiche andere kirchennahe Gruppierungen teilen. Dass in Köln nun von oben entschieden wird, was, wie und von wem diskutiert werden darf, bestätigt gerade Kritiker, die den Willen der kirchlichen Amtsträger an einem offenen Dialog anzweifeln.

Unser Verein ist der KHG nicht nur als Mitglied im katholischen DJK-Verband eng verbunden. Über Jahrzehnte haben unzählige Sportler und Sportlerinnen von Südwest aktiv am Gemeindeleben teilgenommen. Die Katholische Hochschulgemeinde ist ein geschätzter Ansprechpartner im Bemühen, den Vereins- und Hochschulsport im Stadtviertel zusammenzubringen. Ähnlich wie die KHG im Universitätsumfeld engagieren unsere Übungsleiter sich auf dem Sportplatz in weltanschaulicher Offenheit und nach christlichen Werten. Über den Sport vermitteln wir Wertschätzung bei Kindern und Jugendlichen, wollen zur Übernahme von Verantwortung motivieren. Kann es uns da kalt lassen, wenn die jungen KHG-Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nun den empfundenen „Graben zwischen Kirche und Menschen“ überbrücken wollen? Kann es überhaupt falsch sein, sich für eine gute Sache verantwortlich zu fühlen? - Nein! Überzeugungen, Meinungen und offene Diskussionen um den richtigen Weg sind genau das, was wir auch von unseren Südwestlern erwarten. So ist es ein Glücksfall, wenn in unserem Stadtteil über eine bessere Kirche gestritten wird. Der „Fall KHG“ ist auch unser Thema. Beteiligen wir uns! Die Freunde von der KHG verdienen unseren Respekt.

Als Zeichen der Solidarität hat die Evangelische Studierenden Gemeinde Köln (ESG) das Positionspapier und das KHG-Programm während der Abschaltung auf der eigenen Website veröffentlicht. Die deutschlandweiten Reaktionen haben dazu geführt, dass die KHG-Standpunkte mittlerweile eine viel größere Öffentlichkeit gefunden haben. Die Website ist mittelweile wieder online, Hinweise auf die Auseinandersetzung um das Positionspapier finden sich nicht.

Dr. Michael Kosche
Vorsitzender


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