09.04.2019, 09:40 — Kategorie: Verein, Spielberichte

Zukunft schlägt Vergangenheit

Südwest-Fußballdamen zeigen gegen KSV Heimersdorf, warum es auf Jugendarbeit ankommt


Die Torfabrik läuft wieder. Eine Woche nach den Punktverlusten beim Aufsteiger TuS Birk sind die Rot-Schwarzen ihrer Favoritenrolle endlich gerecht geworden. Es dauerte beim 5:1 (1:1) am Sonntagnachmittag allerdings mehr als zwei Drittel der Spielzeit, bis sich die spielerische und athletische Überlegenheit im Ergebnis ausdrückte. Nach drei Wochen Meisterschaftspause wird es am 28. April 2019 (Ostkampfbahn, 15.00 Uhr) zum Duell gegen Vorwärts Spoho II kommen. Dann wird sich entscheiden, ob die junge Südwest-Elf in dieser Saison weiter oben mitspielt oder nicht.

Wie schnell sich die Zeiten im Frauenfußball ändern, lässt sich am Auf und Ab beim KSV Heimersdorf ablesen. Über mehr als ein Jahrzehnt war der Verein eine echte Institution in der Landesliga. Dem maroden Aschenplatz zum Trotz gelang sogar der Aufstieg in die Mittelrheinliga, der im Sommer 2016 mit dem vierten Tabellenrang veredelt wurde. Der Zulauf an fertigen Spielerinnen war zwischenzeitlich so enorm, dass zwei weitere Teams in der Kreisliga gemeldet werden konnten. Doch weil die Entwicklung stagnierte, wanderten Leistungsträger weiter. Komplett fiel der Kader dann auseinander, als die erste Mannschaft die Klasse in der Saison 2017/2018 nicht mehr halten konnte. Da man sich um eigenen Nachwuchs nie geschert hatte, mussten die Lücken irgendwie gestopft werden. Nicht ohne Folgen, denn die Hinrunde verlief sportlich enttäuschend. Das neu formierte Team jedenfalls, das nun bei bestem Frühlingswetter im Klettenberger Grüngürtel auf den Anpfiff wartete, ist auf jeden Punkt angewiesen, um den erneuten Abstieg zu verhindern.

Schon nach vier Minuten brannte es in der Heimersdorfer Box. Chiara Minasso kam zum Schuss, doch Keeperin Charleen Sydow wehrte stark ab. Einen defensiven Gegner hatten die Südwest-Trainer erwartet und daher konsequentes Flügelspiel vorgegeben. Tatsächlich setzte ihre Mannschaft dies um und schickte Nike Hellkuhl und Pauline Fey fast im Minutentakt steil auf die Reise. Gleich mehrfach wurde es für die Gäste ungemütlich (10., 14., 21., 23., 30.), doch einen Treffer mussten sie nicht hinnehmen. Denn bei den Rot-Schwarzen wurde entweder ungenau gepasst, schwach geflankt oder weitgehend gefahrlos am Sechzehner kombiniert. Es schien, als hätte das junge Team zwar ein Konzept, um regelmäßig Raum zu gewinnen, aber nicht eines für den erfolgreichen Abschluss. Gerade in Schlüsselszenen ließ der Druck auf die Abwehrkette der Gäste zu wünschen übrig, weil man nicht rechtzeitig aufgerückt oder einfach schlecht verteilt war. Fallen musste der Führungstreffer spätestens, als Nike sich links im Strafraum durchsetzte, doch ihr Versuch mit dem Außenrist war für die KSV-Torfrau kein Problem (34.). Die nachfolgende Ecke konnten die Heimersdorfer dann nicht konsequent klären, so dass Chiara aus dem Rückraum trocken einnetzte (34.).

Keine zwei Minuten hielt die Erleichterung bei den DJK-Damen an. Die Gäste, die offensiv bis dahin noch nicht in Erscheinung getreten waren, glichen fast mühelos aus. Ein Freistoß von Nadine Barbera in Höhe der Strafraumgrenze wurde abgefälscht und trudelte in die Torecke (36.). Der Schwung der Gastgeber war dahin. Ihre Flügelspielerinnen hatten sich in unzähligen Sprintduellen aufgerieben und die eigene Zentrale schien mit ihrer Rolle als Ordnungsfaktor - bis auf Paulina Verspohl - überfordert. So konnte sich die KSV-Defensive rund um die herausragende Patrica Salkovic stabilisieren. Erst nach Wiederanpfiff änderte sich das Bild: Die Rot-Schwarzen standen mindestens zehn Meter höher und ließen den Gegner nicht mehr über die Mittellinie kommen. Besonders die linke Seite mit Chiara und Kristin Schröer zeichnete sich nun mit durchdachten Vorstößen aus (47., 50., 55.). Als Chiara nach Zuarbeit der eingewechselten Jule Schillings nach innen servierte, kam Pauline am langen Pfosten zu spät (57.). Besser machte sie es nach ihrem taktischen Wechsel auf den linken Flügel, wo sie Keeperin Sydow mit einem Schuss in die kurze Ecke überraschte (68.).

Im Nachhinein war dieses Tor spielentscheidend, denn die Gäste gaben die Partie verloren. Viele von ihnen hatten schon zur Pause die Anstrengung in den Knochen gespürt. Nun lagen sie entkräftet zurück - zusätzlich geschwächt durch die gelb-rote Karte für Nadine Barbera. So konnte Mareike Schröer plötzlich vier, fünf Gegner wie Slalomstangen umkurven und aus kurzer Distanz zum 3:1 verwandeln (71.). Nicht das erste Mal bewiesen die Südwest-Kickerinnen ihre unbändige Spielfreude. Der Sieg wurde nicht verwaltet, sondern mit zwei weiteren Treffern (77. Chiara, 89. Mareike) zu einem besonderen Gemeinschaftserlebnis gemacht. Die Gruppe, die sich nach dem Abpfiff im Mittelkreis versammelte, hatte mit abgezockten Landesliga-Fußballerinnen wenig gemein - eher mit den fröhlichen, unbeschwerten D-Mädchen aus dem eigenen Nachwuchs.

Unsere Südwest-Elf: Leonie Gawellek - Hannah Meyer, Melanie Paul (46. Jule Schillings), Leonie Schuh (77. Lena Mai), Kristin Schröer - Pauline Fey, Paulina Verspohl, Chiara Minasso, Mareike Schröer, Nike Hellkuhl - Bernadette Ellmer (46. Jana Viertel).


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