Und wo bleibt der Breitensport? Dem 1. FC Köln sollen drei Fußballplätze im Grüngürtel überlassen werden

In den vergangenen Tagen berichteten Kölner Stadtanzeiger und EXPRESS über die Ausbaupläne des 1. FC Köln. Es geht darum, dass dem Proficlub drei bestehende Fußballplätze im Äußeren Grüngürtel zur Verfügung gestellt werden, um diese zu modernisieren. Diese Idee kursiert bereits seit 2024.

Aktuell werden zwei dieser Fußballplätze vor allem von Kölner Vereinen für den Breitensport genutzt. Neben Blau-Weiß Köln und dem Verein Ballfieber nutzt auch die DJK Südwest Köln den vom geplanten Umbau betroffenen Platz „Deckstein II“.

Bereits am Donnerstag, 2. Juli 2026, wollen die Fraktionen im Kölner Rat abstimmen, ob der 1. FC Köln drei sogenannte Satellitenplätze modernisieren und nutzen darf.

Wie der EXPRESS zitiert, heißt es in dem Antrag: „Der Rat der Stadt Köln beauftragt die Verwaltung, zur kurzfristigen Verbesserung der Trainings- und Sportflächeninfrastruktur im Bereich des Rhein-Energie-Sportparks und der angrenzenden Sportanlagen die nachfolgenden Maßnahmen umzusetzen und die hierfür erforderlichen vertraglichen, organisatorischen und genehmigungsrechtlichen Voraussetzungen zu schaffen.“

Dass DJK Südwest Köln im Vorfeld von Seiten des 1. FC Köln nicht in die Überlegungen einbezogen wurde, veranlasst unseren Vorstand zu folgender Stellungnahme gegenüber den Fraktionen im Stadtrat.

 

Köln, 23. Juni 2026
Ausbaupläne des 1. FC Köln für Sportplatz „Deckstein II“:
Der Breitensport darf nicht übergangen werden!

Am 18. Juni 2026 erfuhren wir aus dem Kölner Stadt-Anzeiger von dem Vorschlag der SPD-Fraktion, dem 1. FC Köln drei Fußballplätze im Äußeren Grüngürtel zu überlassen („Satellitenplätze“). Über einen entsprechenden Antrag soll der Rat schon in seiner Sitzung am 2. Juli 2026 entscheiden.

Obwohl wir einen dieser Fußballplätze, den Ascheplatz „Deckstein II“, für den Breitensport nutzen, sind wir in die Gespräche der letzten Wochen nicht eingebunden gewesen. Daher möchten wir die Fraktionen im Stadtrat und im Bezirk Lindenthal auf diesem Weg informieren:

  • Vor knapp zwei Jahren, in seiner Sitzung am 1. Oktober 2024, beauftrag­te der Rat die Verwaltung, den Fußballplatz „Deckstein II“ an den 1. FC Köln zu vermieten unter der Bedingung, eine „angemessene Aufteilung der Trainingszeiten“ mit den drei dort beheimateten Breitensportverei­nen zu finden. Auch „zusätzliche Trainingskapazitäten“ sollten geschaf­fen werden.
  • In den Gesprächen mit der Verwaltung wurde sofort klar, dass eine gemeinsame Nutzung von „Deckstein II“ durch vier Vereine ausge­schlossen ist. Denn alle sind von Montag bis Freitag auf die Kernzei­ten (ca. 15:30-19:30 Uhr) angewie­sen, um den Trainingsbetrieb für Kinder und Jugendliche im Anschluss an den Schulunterricht durch­zuführen.
  • Dennoch fand man am 11. Mai 2025 zu einem Kompromiss: (1) Der marode Ascheplatz wird auf Kosten des neuen Mieters 1. FC Köln in einen Kunstrasen umgewandelt und in den nicht für den Leistungs­sport benötigten Zeiten von SC Blau-Weiß Köln genutzt; (2) DJK Südwest Köln erhält für den Nutzungsverzicht ein langfristiges Vorrecht an einem unabhängig von der „Kunstrasenliste“ zu bauenden Kunst­rasenplatz auf der Bezirkssportanlage Weiden; (3) Ballfieber Colonia darf den benach­barten Naturrasen („Kampfbahn“) dauer­haft nutzen; (4) die Brei­ten­sportvereine sollen für den Wegfall von Nutzungszeiten für die Dauer der Bau­maß­nahmen „bestmöglich kompensiert“ werden – auch über freie Trainingszeiten auf der Anlage des 1. FC Köln. Der Kompro­miss fand die Zustimmung des Verwal­tungsvorstands, wurde vor den Kom­munal­wah­len aber nicht mehr vom Sportausschuss angenommen.
  • Der aktuelle SPD-Vorstoß für „Deckstein II“ geht inhaltlich hinter den Ratsbeschluss von Oktober 2024 zurück. Er vermittelt den Fraktionen den falschen Eindruck, den Nutzungskonflikt um „Deckstein II“ ohne eine Einbeziehung von DJK Südwest Köln und Ball­fieber Colo­nia lösen zu können. Der vom Rat ursprünglich in Auftrag gegebene Interessenaus­gleich zwischen Leistungs- und Breitensport stellt sich aus heutiger Sicht als eine Alibi-Veranstaltung dar.
  • Eine Streichung unserer Nutzungszeiten auf „Deckstein II“ zugunsten des 1. FC Köln würde den ohnehin an der Kapazitätsgrenze betriebenen Sportbetrieb einschränken und zur Auflösung von Jugendmannschaften führen. Schon heute ist das Angebot für fußballinteressierte Mädchen im Bezirk Lindenthal knapp. Wollte die Stadt sich für die EM 2029 nicht als „Hauptstadt des Frauenfußballs“ präsentieren? Sollen die Vereine nicht eher mehr Kinder zur Förderung ihrer körperlichen, geistigen und sozialen Entwicklung in den Sport zu bringen?

Wir erwarten, dass bei der Entscheidung über die Zukunft von „Deckstein II“ die Interessen aller Beteiligten berücksichtigt werden. Die dem Breiten­sport für den Verzicht auf Nutzungszeiten in Aussicht gestellten Kompensa­tionen – insbesondere die Modernisierung der Sportanlage Weiden – dürfen nicht unter den Tisch fallen. Der Rat sollte den – nach unserer Einschät­zung – unausgewo­ge­nen SPD-Antrag nicht mittragen

Mit freundlichen Grüßen

gez. Dr. Michael Kosche (Vorsitzender) und Klaus Meinel (stv. Vorsitzender, Mitglied der DFB-Kommission „Fußballinfrastruktur“)

 

Mehr über DJK Südwest Köln und Deckstein II

  • Wir liegen mit 2.600 Aktiven in 150 Gruppen unter den Top10 der Kölner Sportvereine. Der Anteil der sporttreibenden Kinder und Jugendlichen ist weit überdurchschnittlich. Neben den Wettkampfdisziplinen Fußball, Basketball und Volleyball besteht ein breites Spiel- und Bewegungsangebot für alle Altersgruppen. Die zur Verfügung stehenden Sportstätten liegen schwerpunktmäßig im Stadtbezirk Lindenthal. Das Einzugsgebiet unserer Aktiven reicht weit darüber hinaus.
  • Unser Kunstrasenplatz am Unteren Komarweg bildet die Heimat für 800 aktive Fußballerinnen und Fußballer. Es gibt keinen größeren Verein im Fußball­kreis Köln. Mit Kreativität und gegenseitiger Rücksicht werden die Anforderungen von 33 Mannschaften irgendwie zusammengebracht. In der Kernzeit zwischen 16.00 und 19:30 Uhr trainieren bis zu sechs Gruppen gleichzeitig auf dem Spielfeld. Und am Wochenende findet von morgens bis abends der Ligabetrieb statt. Die Kapazitätsgrenze der im Baujahr 2016 auf 24-26 Teams ausgelegten Sport­anlage ist längst überschritten.
  • Diese Entwicklung hat mehrere Ursachen, eine davon der vor gut 20 Jahren gestartete Frauenfußball. Mädchen wie Jungen – so das Selbstverständnis unseres Vereins – sollten gleichberechtigten Zugang erhalten. Mit Erfolg, denn inzwischen kommen wir auf 270 Fußballerinnen aller Altersstufen. Das ist absolute Spitze im Verband Mittelrhein. Im Gegenzug hat der Männerfußball – vor allem die Anzahl der Jungenteams – sich nach und nach verkleinern müssen.
  • Unserem Fußballangebot steht seit Jahren eine weitaus höhere Nachfrage gegenüber. Aufnahmestopps und lange Wartelisten sind für Kinder und Eltern ent­täuschend. Unser Verein bemüht sich daher um zusätzliche Sportflächen in Sülz, Klettenberg und Zollstock – bislang erfolglos.
  • Nach einer Nutzungsvereinbarung von 2021 hat die Stadt uns den Asche­platz „Deckstein II“ zu 35% überlassen. Südwest-Teams absolvieren hier Übungseinheiten oder weichen aus bei Wegfall von Trainings­zeiten auf der eigenen Sportanlage (z.B. wegen Nachhol- oder Pokalspie­len). Doch das Spielfeld befindet sich in sehr schlechtem Zustand. Zudem stehen Umklei­den oder Toiletten nach der Sperrung des historischen Fort VI nicht mehr zur Verfügung. Das größte Problem ist jedoch, dass unsere Trainer das für den modernen Kinderfußball erforderliche Material (Kleintore, Hütchen, Bälle) dort nirgendwo lagern können. Der ständige Transport von der 2 km entfernten eigenen Sportanlage ist nicht praktikabel.

Vorstand
DJK Südwest Köln 1920/27 e.V.